Alles zur Ausrüstung

Der richtige Rucksack

Was du wissen musst
Die Auswahl an Rucksäcken ist riesig. Wenn es jedoch darum geht, einen notfallgeeigneten Rucksack zu finden, schränkt sich die Auswahl schon deutlich ein. Dieser Artikel hilft dir dabei, dich über verschiedene Rucksacksysteme zu informieren um die richtige Wahl für deinen Notfallrucksack zu treffen. Doch wodurch zeichnet sich ein Rucksack, der für eine Überlebensausrüstung geeignet ist eigentlich aus? Gleich mehrere Punkte müssen durch einen Notfallrucksack erfüllt werden:
  • Das Gewicht darf nicht zu hoch sein, um bei langen Strecken zu Fuß nicht zusätzlich zu ermüden

  • Der Rucksack muss ausreichend Platz für die Überlebensausrüstung bieten

  • Damit der Rucksack nicht behindert oder Schmerzen verursacht, sollte auf ein komfortables Tragesystem mit guter Belüftung geachtet werden. Außerdem muss sich der Rucksack sicher anfühlen, er sollte nicht verrutschen und das Gewicht gut auf die Hüften verteilen

  • Um auch möglicherweise harten Einsatzbedingungen gerecht zu werden, muss die Verarbeitungsqualität hinsichtlich der Materialien und Nähte gut sein. Wenn der Rucksack unterwegs kaputt geht, kann das zu ernsten Problemen führen
  • Durch die Anforderungen, die an einen geeigneten Rucksack gestellt werden, lässt sich die Auswahl an möglichen Produkten schon deutlich einschränken. Besonders Rucksäcke, die auch zu militärischen Zwecken eingesetzt werden, erfüllen oft diese Eigenschaften und bieten den Vorteil unauffälliger Farben.

    Rucksackarten und Kategorien

    Es gibt viele verschiedene Rucksacksysteme, die sich grob in die Kategorien „Wanderrucksack“ „Trekkingrucksack“ und „Tourenrucksack“ einordnen lassen. Im Wesentlichen unterscheiden sich die Kategorien im Stauraum und im Tragesystem. Welche Vor- und Nachteile die Rucksackarten haben, wird hier beschrieben.

    Wanderrucksack

    us trooper
    Der Wanderrucksack ist besonders leicht und daher komfortabel. Viele Modelle sind zudem sehr günstig. Gerade neulinge neigen zum Fehler sich oft erst den Rucksack (einen Wanderrucksack) zuzulegen und dann die Ausrüstung. Sehr ärgerlich ist es, wenn die Ausrüstung am Ende so umfangreich wird, dass diese nicht mehr in den Rucksack passen kann. Denn der Stauraum ist bedingt durch die Größe des Wanderrucksacks sehr begrenzt. Die Zuladung beträgt zwischen 4 und 10 kg. Da die gesamte Notfallausrüstung mit ca. 10 - 14kg deutlich darüber liegt und auch das Volumen sehr eingeschränkt ist, eignet sich dieser Rucksack eher für das wofür er gedacht ist – Wandertouren, die nicht länger als einen Tag dauern.
    Für eine Überlebensausrüstung ist dieser einfach zu klein.

    Trekkingrucksack

    TT pathfinder
    Der Trekkingrucksack hat ein Stauvermögen von 60 - über 100 Liter. Besonders sinnvoll ist ein so großer Rucksack, wenn du dich auf einen Notfall ohne Wiederkehr in deine Heimat vorbereitest (I.N.C.H. Rucksack). Hier wird deine gesamte Ausrüstung und Verpflegung Platz finden. Gedacht ist diese Art Rucksack für eine Zuladung von 20 kg und mehr. Weniger Gewicht wird sich durch das hohe Eigengewicht des Rucksacks kaum lohnen. Denke immer dran: Unterwegs spürst du jedes Gramm. Um das hohe Gewicht trotzdem ohne größere Probleme schultern zu können, empfiehlt sich der Einsatz eines hochwertigen Tragesystems. Durch einen Hüftgurt wird die Last auf das Becken verteilt, die Schultern werden entlastet und Verspannungen vermieden. Am besten lässt sich das Gewicht durch einen steifen Hüftgurt übertragen. Damit dieser die Hüfte nicht zu sehr in der Pendelbewegung einschränkt oder scheuert und drückt, ist die Materialauswahl des Gurts wichtig. Dieser sollte aus mehreren Lagen bestehen. Für die nötige Steifigkeit sorgt fester Schaum- oder Kunststoff, während der Innenteil aus weichem Schaumstoff oder anderer guter Polsterung besteht. Um die nötige Stabilität herzustellen wird der Rücken durch gepolsterte Kunststoff-, Glasfaser-, Alu- oder Metallstreben versteift. Um das Beladen zu vereinfachen, verfügen einige Rucksacksysteme über eine Frontbeladung, sonstige Modelle werden einfach von oben beladen. Getrennt wird der Packsack dabei durch ein Haupt- und ein Bodenfach. Eine Deckeltasche bietet Platz für schnell erreichbaren Kleinkram. Wenn dieses Fach ausziehbar ist, bietet sich die Möglichkeit, Gegenstände darunter zu klemmen. Ebenfalls vorteilhaft sind Kompressionsgurte, die dabei helfen, Packstücke sicher direkt am Rücken zu verstauen. Einige Trekkingrucksäcke bieten außerdem Platz für eine Trinkblase, somit kann man komfortabel trinken, ohne eine Flasche in die Hand nehmen zu müssen. Je nach Eigengewicht und Stauraum lassen sich kleinere Modelle der Trekkingrucksäcke gut für einen Notfallrucksack nutzen. Größere Modelle eignen sich eher für die Flucht ohne Wiederkehr.

    Tourenrucksack

    TT bug out bag
    Für deinen 3-Tage-Rucksack eignet sich besonders ein Tourenrucksack mit 30 bis 60 Liter Volumen. Die Zuladung beträgt bei Tourenrucksäcken ca. 10-15 kg. Er sieht dem Trekkingrucksack ähnlich, ist aber etwas kleiner. Die Ausstattung ist bereits weitaus umfangreicher als bei Wanderrucksäcken. Wichtig ist hier ein gutes Tragesystem mit Hüft- und bestenfalls auch Brustgurt. Das eng am Rücken anliegende Tragesystem ist für geringe Lasten ausgelegt und flexibel. Der Hüftgurt sorgt für eine gute Gewichtsverteilung, so werden die Schultern entlastet und Verspannungen bleiben aus. Der Tourenrucksack wiegt weniger als ein Trekkingrucksack und selbst bei schwierigen Kletterpassagen behindert dieser kaum. Kompressionsgurte sorgen dafür, dass die Ladung sicher verstaut ist. Das Gepäck wird näher an den Rücken gebracht und man trägt die Last kontrollierter. Optional ermöglicht ein Trinkblasensystem problemloses Trinken während der Wanderung, ohne eine Wasserflasche in die Hand nehmen zu müssen. Viele Rucksäcke beinhalten dazu eine Vorrichtung für eine Trinkblase.
    Erfahrungsgemäß passt die komplette Notfallrucksackausrüstung ideal in einen größeren Tourenrucksack, vorausgesetzt man packt ordentlich und nimmt nichts unnötiges mit.

    Systeme und Ausstattung


    Tragesysteme

    Moderne Tragesysteme ermöglichen es, selbst große Lasten problemlos zu schultern. Durch einen Hüftgurt wird ein Großteil des Gewichts auf die Hüften und das Becken übertragen, dadurch lassen sich Verspannungen im Nackenbereich vermeiden. Schwere Rucksäcke können einen schon Mal aus dem Gleichgewicht bringen, wenn sie kippen. Für ein sicheres Tragegefühl sorgen da Kompressionsgurte, mit denen Packstücke körpernah verstaut werden können. Ein weiterer Vorteil der Kompressionsgurte ist die bessere Gewichtsverteilung.

    Belüftung

    Eine gute Luftzirkulation hemmt die Schweißbildung und sorgt für ein angenehmes Tragegefühl. Verschiedene Hersteller bieten dazu Rucksäcke mit einem gewölbten Rücken an. Der Nachteil bei diesem System liegt darin, dass Packstücke nicht direkt am Körper liegen und der Rucksack vom Tragegefühl etwas instabiler wirkt. Ein alternatives System bietet Schaumstoffkanäle, die parallel zur Wirbelsäule verlaufen. Eine gute Belüftung ist sichergestellt, zudem liegt das Gepäck sicher am Rücken.

    Taschen

    Innen- und Seitentaschen bieten Stauraum und schnelle Erreichbarkeit der Ausrüstung. Ein Rucksack mit vielen Innenfächern erhöht bei den vielen Gegenständen die Übersichtlichkeit. Ausrüstung lässt sich so schnell finden, ohne erst den gesamten Rucksack entleeren zu müssen. Jedoch verliert sich die Übersichtlichkeit auch schnell wieder, wenn es zu viele Fächer gibt. Die Alternative ist sehr minimalistisch: Ein großes Packfach für alles und das Deckelfach. Die Gegenstände können dabei mithilfe von Ziplock-Tüten getrennt und geordnet werden. Hier gilt ganz klar: Gut ist, was gefällt.

    Befestigungssysteme

    besonders an militärischen Rucksäcken finden sich oftmals Schlaufen, mit denen sich Ausrüstung am Rucksack festzurren lässt. Am bekanntesten ist das MOLLE-System. Durch Gurte können so sperrige Gegenstände, die keinen Platz im Rucksack finden würden, außen fixiert werden. Außerdem gibt es Taschen, die sich zusätzlich am Rucksack befestigen lassen und somit den Stauraum erweitern.

    Material

    Dem Einsatz entsprechend wird ein robustes Material benötigt. Gleichzeitig sollte es atmungsaktiv sein, um Schweißbildung zu vermeiden. Verschiedene Polyesterstoffe aber auch Microfasergewebe sind wasserabweisend, winddicht und atmungsaktiv. An das Innenmaterial werden ähnliche Ansprüche gestellt, zudem sollte es sich angenehm auf der Haut anfühlen. Verschiedene Nylonstoffe sind dazu geeignet. Gerade militärische Rucksäcke überzeugen oft durch äußerst robuste Materialien, die auch nach langer Nutzung noch funktionstüchtig sind.

    Passform, Maße und Größe

    Einer der wichtigsten Punkte, der jedoch regelmäßig vernachlässigt wird: Die Passform. Schlecht sitzende Rucksäcke führen oft zu Abschürfungen, Druckstellen, Verspannungen und insgesamt zu einem unkomfortablen Tragegefühl. Ein Notfall kann es erfordern, dass auch weite Strecken zu Fuß mit dem Gepäck zurückgelegt werden müssen, daher sollte der bepackte Rucksack einen guten Tragekomfort bieten. Neben der Passform spielt die Rückenlänge ebenfalls eine entscheidende Rolle. Es wird keinen sehr großen Rucksack mit kurzer Rückenlänge geben und andersrum. Einige Hersteller bieten jedoch Rucksäcke mit verstellbaren Rückenlängen an. Die Rückenlänge kannst du einfach ausmessen. Wie das geht, findest du im Kasten "Ermitteln der Rückenlänge". Wirklich endgültig lässt sich die richtige Passform aber nur durch Probetragen herausfinden. Dazu einfach den Rucksack beladen und einige Zeit (mindestens eine halbe Stunde) durchgehend in Bewegung tragen. Dazu eignet sich hervorragend eine Runde durch den Park. Beladen solltest du Wanderrucksäcke mit bis zu 10 Kilogramm, Tourenrucksäcke mit 10 bis 14 und Trekkingmodelle mit 15 bis 25 Kilogramm. Wenn dann nichts scheuert oder drückt, hast du deinen Rucksack gefunden!
    Da die richtige Passform essentiell ist, hier eine kurze Anleitung mit der du grob herausfinden kannst, ob dir ein Rucksack passt:
    1. Rucksack aufsetzen
    2. Hüftgurt Strammziehen

    • Der Hüftgurt sollte das obere Drittel der Beckenknochen sauber umschließen
    • Der Ansatzpunkt der Schultergurte sollte auf Höhe der Schulterblätter oder knapp unterhalb der Schulteroberkante liegen. Das lässt sich bei vielen Modellen einstellen
    • Die Polsterung der Schulterträger sollte über die Brust hinausreichen, ansonsten sind die Träger zu kurz
    Für Trekkingrucksäcke:
    Die Lastkontrollriemen verlaufen vom Schultergurt zum Packsack und sollten in einem Winkel von 45° ansteigen, um die Schultern zu entlasten.

    Für Touren- und Wanderrucksäcke:

    Hier dienen die Lastkontrollriemen vor allem dazu, die Last am Rücken zu stabilisieren.

    • Das Maßband am 7. Nackenwirbel ansetzen (Kinn auf die Brust legen, der 7. Nackenwirbel steht dann hervor) bzw. an der Oberkante der Schulterblätter.
    • kurz= 40 – 49 cm
    • mittel= 50 – 57 cm
    • lang= 58 – 69 cm

    Der Stauraum

    Wenn du deinen Notfallrucksack für einen Aufenthalt von 3-4 Tagen außerhalb der eigenen 4 Wände planst (einen B.O.B.), wirst du natürlich einen weniger großen Rucksack benötigen, als bei einer Flucht auf unbestimmte Zeit (I.N.C.H.). Für drei-Tage-Rucksäcke eignen sich Tourenrucksäcke mit einer Zuladung von ca. 10 - 14 kg und einem Volumen von ca. 30 bis 65 Liter. Dabei spielen natürlich der persönliche Geschmack und die eigene Überlebensausrüstung eine große Rolle. Ein I.N.C.H. Rucksack muss da etwas größer sein. Trekkingrucksäcke mit 80 Litern und mehr sind da passend. Ein genaues Volumen anzugeben fällt da schwer, da die Wahl der Rucksackgröße auch von der persönlichen Statur abhängt. Der Rucksack muss schließlich auch tragbar sein.

    Packanleitung

    Bei schlecht gepackten Rucksäcken liegt das Gewicht nicht direkt am Rücken an. Die Folge ist ein Pendeln und Aufschaukeln des Rucksacks. Das ist zum einen anstrengend, zum andern kann es einen z.B. bei Kletterpassagen aus dem Gleichgewicht bringen. Stürze und Verletzungen könnten die Folge sein. Um das zu vermeiden sollte der Rucksack richtig und ordentlich bepackt werden. Wie das geht kannst du hier lesen:

    Ausstopfen des Bodenfachs

    Ein vollständig ausgefülltes Bodenfach trägt erheblich zur Stabilisierung des Rucksacks bei, da das Tragesystem versteift wird. Die Folge ist eine verbesserte Lastübertragung. Dazu bieten sich große Packstücke an, die gut zu stopfen sind, wie Schlafsack oder Ersatzkleidung.

    Schweres nah am Rücken

    Schwere Packstücke sollten möglichst nah am Rücken platziert werden. Das verhindert ein Aufschaukeln des Rucksacks, zudem liegt der Schwerpunkt näher am Körper. Der Tragekomfort wird also erhöht. Die schweren Gegenstände können einfach rückennah gestapelt werden. Um den Stapel aus Packstücken zu stabilisieren, können jetzt leichte, voluminöse Gegenstände davor gepackt werden. Ausrüstung wie z.B. Tarp, Tütennahrung oder Ersatzkleidung eignen sich dafür. Weiter oben lässt sich Regenkleidung oder Poncho positionieren, damit diese schnell griffbereit sind.

    Immer einsatzbereit

    Alles, was du oft brauchst, sollte erreichbar sein, ohne den gesamten Rucksack ausräumen zu müssen. Dazu gehören alles zur Navigation, Regenkleidung, Energieriegel und viele andere Sachen. Diese Gegenstände kannst du ins Deckelfach oder in den oberen Teil des Packsacks packen. Ausrüstung sollte sicher im Rucksack verstaut werden. Alles was außen am Rucksack angebracht ist, kann hinderlich sein. Es besteht möglicherweise die Gefahr, dass sich Ausrüstung im Dickicht verhakt. Die Isomatte bildet da eine Ausnahme. Diese kannst du unten quer oder seitlich anbringen.