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Der richtige Schlafsack

Was du wissen musst
Hast du bereits in einem kalten Discounter-Schlafsack draußen übernachten müssen? Es gibt kaum Schlimmeres, als nach einem Tag voller Strapazen wegen der Kälte nicht zur Ruhe kommen zu können. Dann weißt du wahrscheinlich, wie wichtig ein hochwertiger Outdoor Schlafsack mit einer guten Wärmeleistung ist. In diesem Artikel geht es um Schlafsäcke, die für deinen Notfallrucksack geeignet sind. Die Eigenschaften eines solchen Schlafsacks für den Ernstfall unterscheiden sich essentiell von Schlafsäcken für den Campingurlaub. Worauf du bei der Wahl deines Schlafsacks achten musst, erfährst du hier. Es erwartet dich ein Überblick über Formen und Materialien von Schlafsäcken.

Schlafsäcke von 10 bis 0°C und von 0 bis -10°C wurden hier miteinander verglichen. Zu jedem dieser Schlafsäcke gibt es einen ausführlichen Einzeltest, der dir bei der Entscheidung für deinen Schlafsack helfen wird.

Ausrüstung im Vergleich

Schlafsäcke

zum Vergleich

Der Einsatzbereich

Wer bereits nach Schlafsäcken gesucht hat, kennt das Problem: Man wird von der Auswahl nahezu erschlagen und es fällt schwer herauszufinden, welcher Schlafsack tatsächlich den Anforderungen gerecht wird. Um die Auswahl einzuschränken, hilft es sich über den eigentlichen Einsatzbereich Gedanken zu machen. Dazu gilt es, einige Fragen zu klären: Wirst du während eines Notfalls in einer beheizten Hilfseinrichtung unterkommen oder musst du draußen im Regen übernachten? Kommt es im Sommer oder im Winter zum Notfall? Bist du zu Fuß unterwegs oder steht ein Fahrzeug zur Verfügung? Um auf alle Eventualitäten vorbereitet zu sein, empfiehlt es sich von einem „worst-case-szenario“ auszugehen:

  • Die Flucht erfolgt zu Fuß
  • Es gibt keine Hilfseinrichtung, die Nacht verbringst du draußen
  • Die Notsituation tritt im Winter ein, das Wetter ist schlecht
Die Anforderungen, die in einem solchen Szenario an einen Schlafsack gestellt werden sind folgende:

  • geringes Gewicht und Packmaß
  • sehr robust
  • wasser- und winddicht
  • für warme und kalte Temperaturen geeignet
Kurzum benötigen wir einen Schlafsack, der alles kann. Leider gibt es den einen perfekten Schlafsack leider nicht. Man wird immer einen Kompromiss finden müssen. Wie kann ein solcher Kompromiss aussehen? Leichte Schlafsäcke mit einem niedrigen Packmaß bei ordentlicher Wärmeleistung zu finden ist machbar. Um diesen Schlafsack wind- und wasserdicht zu bekommen, empfiehlt sich der Einsatz eines Biwaksacks, eine Schlafsackaußenhülle, die einfach über den Schlafsack gezogen wird. Weiterer Vorteil des Biwaksacks ist eine zusätzliche Schutzschicht, die das teils empfindliche Außenmaterial des Schlafsacks schont. Um im Sommer nicht unnötig viel Gewicht herum zu schleppen, gibt es kombinierbare Schlafsacksysteme: Zwei Schlafsäcke, die ineinander gesteckt einen sehr warmen Winterschlafsack ergeben. Oft bestehen diese Systeme aus einem reinen Sommer- und einem drei-Jahreszeiten-Schlafsack. Mit dem Erwerb eines solchen Systems spart man sich einen zusätzlichen Winterschlafsack und ist auf Notsituationen im ganzen Jahr vorbereitet. Ob der Schlafsack als System im Rucksack gelagert wird oder dieser, je nach Wettersituation ausgestattet wird, ist jedem selbst überlassen. Im Wesentlichen besteht das perfekte Schlafsacksystem also aus drei Teilen: Sommerschlafsack, drei-Jahreszeiten-Schlafsack und Biwaksack.

Unterteilung der Schlafsäcke in Kategorien

Schlafsack ist nicht gleich Schlafsack. Schlafsäcke lassen sich in Kategorien einteilen. Was der richtige Schlafsack für dich ist hängt vom Einsatzbereich ab. Hier findest du die relevanten Schlafsackkategorien.

Der Temperaturbereich

Um die Eigenschaften eines Schlafsacks möglichst einheitlich und korrekt wiederzugeben unterliegen Schlafsäcke in Europa einer Prüfnorm. Die EN 13537 legt die „Anforderungen an Schlafsäcke“ im Freizeit und Sportbereich fest. Für Militär- und Expeditionsschlafsäcke gilt diese Norm leider nicht, da andere Anforderungen an diese Schlafsäcke gestellt werden. Kinderschlafsäcke sind ebenfalls ausgenommen. Um Temperaturangaben möglichst einheitlich zu definieren, sind viele Schlafsäcke mit einer Skala versehen. Diese Skala hilft dir herauszufinden, ob ein Schlafsack für deine Einsatzzwecke ausreicht. Unterschieden wird dabei in „Komforttemperatur“, „Grenztemperatur“ und „Extremtemperatur“.
  • Obere Grenztemperatur T max: Dieser Wert zeigt an, wann ein Mensch im Schlafsack anfängt zu schwitzen. Der Wert wird jedoch nur selten angegeben
  • Komforttemperatur T comf: Dieser Wert wird für eine “Standard-Frau” (25 Jahre, 60 kg, 1,60 m) errechnet, die gerade noch nicht friert. Für die „Standard-Frau“ ist ein komfortabler Schlaf bei der genannten Temperatur problemlos möglich.
  • Untere Grenztemperatur T lim: Dieser Wert wird für einen “Standard-Mann” (25 Jahre, 70 kg, 1,73 m) berechnet, der gerade noch nicht friert. Das bedeutet, dass es für den „Standard-Mann“ möglich ist, bis zu dieser Temperatur zu schlafen, ohne zu frieren.
  • Extremtemperatur T ext: Dieser Wert wird für eine “Standard-Frau” (25 Jahre, 60 kg, 1,60 m) unter starker Kältebelastung berechnet. Hier besteht erhöhtes Risiko der Unterkühlung. Hier geht es also ums Überleben.
Woher stammen diese Angaben? Aus standardisierten Messmethoden: In einem Labor werden Gliederpuppen, mit Unterwäsche Mütze bekleidet, in einem Klimaraum auf Körpertemperatur erwärmt. Verschiedene Sensoren messen dann die Temperatur und leiten die oben genannten Werte daraus ab. Wenn du durch die Angaben etwas verwirrt bist, stehst du nicht alleine da. Um die Temperaturangaben übersichtlicher zu gestalten, bieten einige Hersteller nach Geschlecht separierte Skalen an. Woran solltest du dich bei der Wahl deines Schlafsacks orientieren? Um im Ernstfall nicht unangenehm überrascht zu werden, solltest du für deinen Einsatzbereich möglichst den T comf-Wert wählen. Ein Test des Schlafsacks ist trotzdem Pflicht, denn viele verschiedene Faktoren können dazu beitragen, dass sich der Temperaturbereich verändert. Dazu gehören Witterungsverhältnisse, persönliche Verfassung sowie die Form des Schlafsacks. Wer im Temperaturbereich noch etwas variieren möchte, sollte über den Einsatz eines Inletts Nachdenken. Das ist eine leichte und günstige Alternative, um den Einsatzbereich des Schlafsacks noch etwas zu erweitern.

Welche Schlafsackformen gibt es?

Sicher ist dir schon aufgefallen, dass Schlafsäcke unterschiedliche Formen haben. Die verschiedenen Schlafsackformen haben unterschiedliche Vor- und Nachteile, auf die in den folgenden Abschnitten näher eingegangen wird.

Decken-Hütten oder Rechteckform

Die rechteckig geschnittenen Schlafsäcke bieten viel Platz und sind vorrangig für milde Temperaturen geeignet. Durch die häufig umlaufenden Reißverschlüsse, lassen sich manche Systeme miteinander koppeln. Außerdem lassen sie sich, wie der Name bereits vermuten lässt, als Decke komplett öffnen. Das Schlafsacksystem findet sich eher bei einfachen Schlafsäcken ohne weitere Ausstattung. Auf ein Kopfteil wird verzichtet. Gewicht und Packmaß sind hier eher hoch. Diese Form bietet zwar den meisten Platz, jedoch muss dieser auch durch den Körper erwärmt werden. Für den Körper bedeutet das Aufwärmen und Warmhalten ständig Arbeit und Energie. Das führt bei kälteren Temperaturen schnell zum frieren. + viel Platz
+ viel Platz
+ koppelbar
+ als Decke verwendbar

- nur für milde Temperaturen
- eher hohes Packmaß

Mumienform

Die Mumienform bedeutet, dass der Schlafsack am oberen Teil weit geschnitten ist und dann zu den Füßen schmal zusammenläuft. Diese Form hat gleich mehrere Vorteile: der Oberkörper hat genug Platz, während die Füße eingepackt optimal isoliert werden und der Körper nur wenig selbst erwärmen muss. Der Einstieg gestaltet sich komfortabel. Insgesamt fällt die Bewegungsfreiheit aber niedriger aus als bei Ei- und Deckenschlafsäcken. Für alle mit hohem Platzbedarf und unruhige Schläfer, kann diese Form unkomfortabel erscheinen. Jedoch wird durch die Form die beste Wärmebindung, das kleinste Packmaß und das geringste Gewicht miteinander kombiniert. Reißverschlusssysteme gibt es in einseitiger und umlaufender Form. Die umlaufende Form ermöglicht eine Nutzung als Decke. Durch die gute Isolierung ist der Mumienschlafsack besonders bei kalten Temperaturen geeignet.
+ optimale Wärmeisolation
+ kleines Packmaß
+ geringes Gewicht

- geringes Platzangebot

Eiform

Der Mumienschlafsack ist sehr warm und eher eng, der Deckenschlafsack sehr weit aber eher kalt. Einen Kompromiss zwischen Decken- und Mumienschlafsack bietet der Eischlafsack. Besonders für unruhige Schläfer bietet diese Form genügend Raum in der Körpermitte, während der Fußraum durch den wenigen Platz weiterhin sehr gut isoliert wird. Für jeden mit mehr Platzbedarf, wird der Mumienschlafsack die beste Alternative bieten.
+ guter Kompromiss zwischen Platzangebot und Isolation
+ ausreichend Platz in der Körpermitte

Fazit

Die richtige Schlafsackform zu finden, sollte jetzt kein Problem mehr darstellen. Beim Kauf beachten musst du trotzdem unbedingt deinen persönlichen Platzbedarf. Jeder hat andere Vorstellungen bezüglich der Schlafsacklänge und Breite. Am einfachsten findest du den für dich passenden Schlafsack durch Probeliegen. Wenn du innerhalb der ersten 5 Minuten bereits Platzangst bekommst, kannst du dich natürlich nach einem anderen Modell umsehen und die idealen Isolationswerte vernachlässigen. Ein interessantes alternatives Konzept bietet der Deuter Exosphere +2°. Die Außenhülle dieses Mumienschlafsacks ist um 25% dehnbar, was für deutlich mehr Komfort sorgt.

Welche Füllmaterialien werden eingesetzt?

Daune

Die Beschaffenheit des Materials isoliert optimal bei einem geringen Gewicht. Daunen wirken feuchtigkeitsabsobierend und sorgen somit für ein angenehmes Schlafklima. Außerdem lassen sich Daunenschlafsäcke platzsparend verpacken. Bei Nässe verlieren Daunen jedoch die Isolierwirkung. Bei regnerischem Wetter ist also ein Biwaksack nötig, der den Schlafsack schützt. Ist dieser doch nass geworden ist eine gute Trocknung nötig, damit dieser die Isolierwirkung nicht verliert.

Vorteile
  • geringeres Gewicht
  • höhere Isolationswirkung
  • geringeres Packmaß

Nachteile
  • kaum Isolation bei Feuchtigkeit
  • pflegeintensiver
  • spezielle Lagerung

Kunstfaser

Im Gegensatz zu Daunenschlafsäcken behalten Kunstfaser-Schlafsäcke auch bei Nässe ihre Isolierwirkung. Die Wärmeeigenschaften reichen jedoch nicht an die der Daunen heran. Im Winter kann ein solcher Schlafsack schnell an die Grenzen kommen. Das Füllmaterial lässt sich aufgrund der Biegsamkeit platzsparend verstauen, ist jedoch vergleichsweise schwer.

Vorteile
  • Iisoliert auch bei Feuchtigkeit
  • keine spezielle Lagerung

Nachteile
  • höheres Gewicht
  • geringere Isolationswirkung
  • höheres Packmaß

Welche Materialien werden für die Außenhaut verwendet?

Microfaser

Microfaser können die Innentemperatur im Schlafsack um bis zu 5 Grad steigern.
Das Material ist zudem leicht, wasserabweisend und winddicht. Feuchtigkeit wird durch eine Microfaser-Außenhaut absorbiert.

Polyester und Nylon


Schlafsäcke aus dem Material sind wind-und wettergeeignet, schnelltrocknend, atmungsaktiv und wasserdicht. Somit eignet sich das Material optimal für mehrere Tage Outdoorseinsatz.

Membranstoffe


Membranstoffe eignen sich für warmes Wetter. Bei niedrigen Temperaturen kann das im innern entstehende Kondenswasser schnell frieren.
Vor dem Einpacken muss der Schlafsack getrocknet werden, um ein Brechen des Materials zu verhindern.

Welche Materialien werden für die Innenhülle verwendet?

Polyester und Nylon


Als leichte, atmungsaktive und schnelltrocknende Materialien sind diese für den Einsatz im Sommer und Winter geeignet. Das Material heizt sich schnell auf und spendet Wärme.
Hochwertige Verarbeitungen der Materialien fühlen sich weicher und somit komfortabler an.

Baumwolle


Solche Schlafsäcke eignen sich besonders für warmes Klima. Feuchtigkeit, die durch das Schwitzen im Innern entsteht, wird hervorragend absorbiert. Die Innenhülle klebt nicht an der Haut und sorgt für ein gutes Gefühl.
Nachteilig sind die lange Trockenzeit und das hohe Gewicht.

Microfaser


Das feuchtigkeitsabsorbierende Material ist leicht, wasserabweisend und eignet sich somit für alle Jahreszeiten.

Welche Ausstattung ist möglich?

Kapuze


Da gerade der Kopf schnell ausühlt, bedarf es hier besonderen Schutz: Eine am Kopf zuziehbare Kapuze sorgt für eine verbesserte Wärmeisolierung und höheren Schlafkomfort.
Eine Besonderheit bieten Konturkapuzen.
Durch die Polsterung wird hier die Kopfform bereits vorgeformt. Dadurch werden eine dickere Polsterung und dadurch verbesserte Wärmeeigenschaften erreicht.

Wärmekragen


Viele Schlafsäcke sind mit einem am oberen Rand versehenen Kragen, der sich mit einem Schnürzug zuziehen lässt und das Entweichen von Wärme im Schlafsack verhindert, ausgestattet.
Besonders bei sehr kalten Temperaturen ist ein Wärmekragen enorm hilfreich. Ohne diesen entstehen Kältebrücken, die bei jeder Bewegung spürbar kalte Luft ins innere des Schlafsacks befördern können.

Reißverschlusssysteme


Der optimale Schlafsack sollte mit einem 2-Wege-Reißverschluss, der eine äußere Abdeckung aufweist, mit einem zusätzlichen inneren Einklemmschutz und einem am oberen Ende versehenen Klettverschluss ausgestattet ist, verarbeitet sein. Die Abdeckung des Reißverschlusses sorgt für eine bessere Wärmespeicherung durch die Vermeidung von Kältebrücken.

Dokumenten- und Wertsachen-Fächer

Immer praktisch ist ein zusätzliches Fach, damit nichts verloren geht. Viele Schlafsäcke sind mit innen- oder außenliegenden Fächern für Wertsachen und Dokumente ausgestattet.

Fußsack


Ein dick gepolsterter Fußsack trägt ungemein zum Schlafkomfort bei, da man hier besonders gern und schnell friert.
Optimal eingepackt überleben die Füße auch kälteste Nächte.

Welche Füllkammersysteme gibt es?

Steppung


Bei der Steppung werden die Isolationsschichten gesteppt vernäht. Stoffe der oberen und unteren Schicht liegen direkt aufeinander, es besteht die Möglichkeit, dass Kältebrücken entstehen. Die Steppung ist die einfachste Form der Befüllung und eignet sich nur für warme Temperaturen.

Schräg-Kammer



Ähnlich wie der Aufbau von Dachpfannen auf einem Dach sind auch die Schräg- Kammern aufgebaut. Kältebrücken werden durch die Überlappung vermieden. Durch den konstruktionsbedingten höheren Materialbedarf wird der Schlafsack insgesamt schwerer.

H-Kammer


Um Kältebrücken zu vermeiden, werden die äußere und innere Wand bei H-Kammern durch Stege getrennt. Da die Stege nicht so gut isolieren wie die Kammern, sollten so wenig wie möglich vorhanden sein.
Eingesetzt wird das System bei hochwertigen Daunenschlafsäcken. Ein gutes Wärmeverhältnis kombiniert mit dem geringen Gewicht sprechen für diese Konstruktion.

V-Kammer


Diese Konstruktion sorgt für eine gute Fixierung des Füllmaterials,ist aber recht schwer.

Trapezkammer


Im Vergleich zur V-Kammer ähnlich gute Fixierung, dabei aber ein niedrigeres Gewicht.

Fazit

Einen wirklich guten Schlafsack zu finden, der all den Anforderungen gerecht wird ist gar nicht so leicht. Es hängt auch von der Herangehensweise an einen Notfallrucksack ab. Soll dieser bloß mit Ausrüstung bestückt werden, welche einmalig ihren Zweck erfüllt oder wird langfristig geplant und auf qualitativ hochwertige Ausrüstung gesetzt, die dich auch nach langer Zeit nicht im Stich lässt? Die Packliste des Notfallrucksack-Ratgebers bietet bewährte Modelle für beide Herangehensweisen.
Nicht das passende dabei? Dann wirf doch einen Blick in die Rubrik "Schlafsäcke im Vergleich".
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